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Freiheit von Perfektionismus

Ein Thema, das im Lauf der Jahre in mir hochkam, war das Thema Perfektionismus. Immer wieder bemerkte ich, wie mein Selbstwert auf den Boden gedrückt wurde, wenn ich etwas nicht gut oder aus meiner Sicht nicht gut genug machte. Das betraf Studienleistungen genauso wie Aufgaben in der Gemeinde. Perfektionismus hat viele Gesichter. Unter anderem kann er sich durch zu hohe Ziele/Erwartungen und ein zu starres Festhalten an Zielen zeigen – gekoppelt damit, dass der eigene Wert am Erreichen der Ziele festgemacht wird. Das beschrieb mein inneres Erleben lange Zeit sehr gut. 

Schon Anfang 2014 hatte ich mich mit einigen Freunden zum Thema Erwartungen ausgetauscht. Ich hatte ihnen von meinen Gedanken und Gefühlen dazu erzählt und viele Rückmeldungen mit ihren Gedanken zu dem Thema bekommen. Das war hilfreich und brachte mich einen Schritt weiter.
In den Jahren 2017 und 2018 kam ich bei dem Thema einen bedeutenden Schritt weiter. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass Gott mich in diesen Jahren aus meinem Perfektionismus befreit hat. Wie er das gemacht hat?

Das Thema Erwartungen war wie gesagt im Lauf der Jahre immer wieder in mein Bewusstsein getreten als etwas, womit ich zu kämpfen hatte. Ende 2017 redete ich vermehrt mit Gott über das Thema, oft bei Spaziergängen am Neckar. Bei einem dieser Spaziergänge kam mir der Gedanke im Internet nach Büchern zum Thema Erwartungen zu schauen. Zu „Erwartungen“ fand ich nicht viel, aber dafür zwei spannende Bücher zum Thema Perfektionismus. Wie die Amazon-Bestellbestätigungen beweisen, war das Anfang Januar 2018. Das Buch „Endlich frei von Perfektionismus“ von Cornelia Mack half mir sehr weiter, mich selbst zu verstehen. Einige der dort beschriebenen Muster konnte ich in mir, meinen Gefühlen und meinem Verhalten wiederfinden. Ein zweites Buch, das mir sehr weiterhalf, las ich im Sommer 2018. Ich war in den Sommersemesterferien bei meinen Eltern zu Gast und hatte Zeit zum Lesen. Das Buch, das ich las, hieß „Soul Care: 7 Transformational Principles for a Healthy Soul“ von Dr. Rob Reimer. Darin geht es unter anderem um Identität, negative Familienmuster und wie man sie durchbrechen kann, Vergebung, sowie die Heilung von (inneren) Wunden. Dieses Buch bewegte und berührte mich und ich hatte an einigen Stellen das Gefühl, dass Gott durch das Buch in mein Inneres hineinspricht und geraderückt, was wie verbogen war.

An einer Stelle ging der Autor darauf ein, wie groß Gottes Liebe für uns Menschen ist, und wie diese Liebe und Annahme nicht von unserer Leistung abhängt. Aussagen wie diese hatte ich in den Jahren davor in Predigten oft gehört, aber dieses Mal kam sie in meinem Inneren an: „Die Frage nach meinem Wert, hat Jesus endgültig am Kreuz geklärt. Er hat sein Leben geopfert, damit ich gut vor Gott dastehen kann, in einer bereinigten Beziehung. Diese Sache ist abgeschlossen, die kann keiner rückgängig machen. Jesus spricht mir Wert zu, unabhängig von meinen Leistungen, meinen Erfolgen und meinem Versagen.“ 

Als ich das innerlich verstand, entstand in mir erst einmal eine große Visions-Leere. Mir war klar: ich muss nicht mehr. Da ist kein Zwang mehr in mir etwas für Gott zu tun, denn ich kann und muss mir nichts erarbeiten. Die Frage, die sich anschloss, war: was möchte ich denn (noch)? Welche Dinge möchte ich tun, auch wenn sie mich Kraft und Überwindung kosten, weil ich Jesus und Gott, unseren Vater im Himmel, liebe? Und welche Dinge möchte ich nicht mehr tun, weil ich sie bisher aus innerem Zwang und Pflichtgefühl getan habe? Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass ich Gott proaktiv lieben konnte – weil ich eben nicht musste (um mir meinen Wert zu verdienen), sondern frei wählen konnte. Es dauerte einige Wochen, bis ich neu entschieden hatte, welche der Aufgaben und Bereiche, in denen ich Gott diente oder für Gott arbeitete, ich weiterführen wollte – nun aus meiner freien Entscheidung heraus. Seitdem lebe ich mit einer neuen Freiheit und Freude. Und wenn Zwänge anklopfen wollen, habe ich ein Gegenmittel, sie abzuwehren.

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