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Abhängigkeit und Freiheit

Die folgenden Monate brachten unter anderem mit sich, dass ich im Internet auf frei verfügbare pornographische Bilder stieß – und diese mich so in ihren Bann zogen, dass ich sie immer wieder und auch neue Bilder sehen wollte. Als Erwachsener mögen viele sagen: „Was ist denn schon dabei? Das ist doch schön?!“ Ein Teil von mir sagte das auch, der andere erlebte es anders. Einerseits fühlte ich mich immer wieder neu vor Gott schmutzig und unwürdig, nachdem ich pornographische Bilder angeschaut hatte. Das lag daran, dass ich Gott als rein und heilig kennengelernt hatte, so dass das nicht zu einer guten Beziehung mit ihm passte, mir ein Gefühl von Anerkennung und Annahme aus dem Betrachten der Bilder nackter Frau zu holen. Und andererseits schaffte ich es nicht, mich mehr als ein paar Wochen zu entscheiden, die Bilder einfach nicht anzuschauen. Kurz: ich war emotional abhängig davon geworden, diese Bilder zu sehen. Sie gaben mir heftige Schübe an Adrenalin, Dopamin, Endorphinen etc., gegen die ich mit meinem Willen nicht ankam und pushten meinen Ego.

Also betete ich. Sehr viel. Um Gottes Hilfe, dass er mich aus der Abhängigkeit rausholte. Fast anderthalb Jahre ging das so, bis Gott mich aus meinem emotionalen Schlammassel befreite: Ich bekam die Möglichkeit, mit einem Stipendium mein 10. Schuljahr an einer Schule in den USA zu verbringen. Die Organisation, mit der ich im Ausland war, teilte mir eine Schule zu – und sandte mich an eine christliche Schule im Staat New York. Für mich war das Jahr dort auf der Schule der Himmel. An den meisten Tagen lief ich mit einem breiten Grinsen über den Campus und war einfach glücklich. Was für eine Gebetserhörung! Ich durfte, wie rund 50% meiner Mitschülerinnen und Mitschüler dort, im Internat wohnen, mit meinen Klassenkameraden Schule, Sport und Freizeit verbringen und bekam sehr viel geistlichen Input. Der war teilweise auch herausfordernd (z.B. zum Thema: „wer bist du, wenn keiner zuschaut?“), aber er tat mir gut und prägte mich. Dazu hörte ich und erlebte ich an der Schule erwachsene Christen aus allen möglichen Lebensbereichen – Lehrer, Polizisten, Juristen, Künstler, Sportler, Theologen … –  die authentisch aus ihrem Leben mit Gott erzählten. Und: Ich hatte ein Jahr lang keinen Zugang zu pornographischen Inhalten. Nach dem Jahr in den USA hatten diese Inhalte – und haben sie bis heute – irgendwie ihre Macht über mich verloren. Ich musste sie nicht mehr anschauen und ich schaute sie nicht mehr an. Ich war frei. Danke, Gott!

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